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ABC der guten Sprache
Anschauliche und spannende Texte in der Wissenschaftskommunikation sind kein Selbstzweck, sondern im Idealfall eine Selbstverständlichkeit. Denn die Leser:innen oder Zuhörer:innen haben zu Recht den Anspruch, für ihr Interesse an einem Thema mit einer gut verständlichen Darstellung belohnt zu werden. Doch oft rückt der erwähnte Idealfall in weite Ferne. Diese kleine Stichwortsammlung von A bis Z soll helfen, sich ihm in 29 Schritten anzunähern.
A wie Abkürzung
Abkürzungen können das Schreiben erleichtern, doch u. U., d. h. v. a. bei mglw. zu vielen oder ggf. unb. Abk., sind sie i. d. R. nicht hilfreich. Denn: Maximale Kürze bedeutet nicht automatisch höhere Verständlichkeit. Wichtiger ist, dass die Ressourcen des Arbeitsgedächtnisses effizient genutzt werden – und dabei kommt es auch darauf an, wie vertraut das Publikum mit einem Wort ist. Während daher angenommen werden kann, dass geläufige Kürzel wie z. B. eher problemlos verarbeitet werden, gibt es Hinweise darauf, dass seltene oder fachliche Abkürzungen das Verständnis stärker erschweren. Insgesamt gilt also: Lieber ein sparsamer und zielgruppenorientierter Einsatz von Abkürzungen, als max. Kürze um j. P.
Ä wie Äh
Der Häsitationsmarker Äh hat einen schlechten Ruf. Einem Schriftwerk sieht man den investierten Hirnschmalz zwischen den Worten oder Sätzen nicht mehr an – am Ende liest man einen flüssigen Text. Problematischer wird es in Vorträgen, wenn aus einer Denkpause ein Dauerrauschen wird. Wer jeden zweiten Satz mit Äh eröffnet, nimmt dem Publikum die Lust, zuzuhören. Dann hilft – neben guter Vorbereitung – langsamer sprechen und Pausen zulassen. Meist wirkt eine kleine Pause sogar gewollt und steigert die Neugier am Zuhören.
B wie Beispiel
Unter der Aussage „Viele Tiere nutzen Mimikry” können sich die meisten von uns herzlich wenig vorstellen. Was damit gemeint ist, zeigt ein einfaches Beispiel: „Die harmlose Schwebfliege etwa sieht einer Wespe zum Verwechseln ähnlich. Fressfeinde halten sie deshalb für gefährlich und greifen sie seltener an.” Schon wird der Fachbegriff verständlicher.
Beispiele knüpfen idealerweise an das Vorwissen der Zielgruppe an, schaffen einen Bezug zur Lebenswelt und erleichtern so das Verständnis komplexer wissenschaftlicher Inhalte.
C wie Cliffhanger
Bei dem Begriff Cliffhanger denken wir heutzutage oft an Filme oder Serien, doch seinen Ursprung hat er in der Literatur. 1873 veröffentlichte der britische Schriftsteller Thomas Hardy seinen Roman A Pair of Blue Eyes als regelmäßige Fortsetzung in einer Zeitschrift. In einer besonders spannenden Episode kann sich der Protagonist nur noch an einem Grasbüschel eines Steilhangs halten bevor der Text endet und die Leser:innen einen Monat bis zur Auflösung warten müssen. Der Begriff Cliffhanger etablierte sich. Cliffhanger setzen auf eine zentrale Eigenschaft von uns Menschen: unsere Neugier. Egal, ob man sie liebt oder hasst – für Cliffhanger gilt dasselbe wie für alle Stilmittel: Sparsam eingesetzt sorgen sie für Spannung. Inflationär angewandt, verlieren sie ihren Reiz und sind dann nur noch lästig.
D wie didaktische Reduktion
Wer tief in einem Thema steckt, möchte oft möglichst viel davon vermitteln und läuft damit Gefahr, das Gegenüber zu überfordern. Hier hilft die didaktische Reduktion. Sie bedeutet nicht, Inhalte einfach nur zu kürzen oder so lange zu vereinfachen, bis nichts mehr übrigbleibt. Stattdessen geht es darum, gezielt auszuwählen, was für meine Zielgruppe wichtig ist. Was soll sie am Ende wissen oder verstanden haben? Ist dieser Fokus gesetzt, folgt die inhaltliche Reduktion: Unwichtiges weglassen, Kernaussagen herausarbeiten und Komplexes verständlich aufbereiten – etwa mit B wie Beispielen.
E wie Erzählung
„Und dann haben wir gemessen. Und dann haben wir ausgewertet. Und dann haben wir publiziert.“ Klingt nach Forschung, aber nicht nach einer guten Erzählung. Denn eine Erzählung reiht Ereignisse nicht nur aneinander, sondern bettet sie in einem Kontext ein.
Erzählungen können Wissenschaft zugänglicher machen, sie können Aufmerksamkeit binden, Orientierung geben und Identifikation ermöglichen. Und nein, keine Sorge! Dafür muss man Forschung nicht künstlich dramatisieren. Manchmal reicht schon eine ganz einfache Struktur: Das ist die Ausgangslage. Aber hier gibt es ein Problem. Deshalb forschen wir daran, und so könnte die Lösung aussehen.
F wie Fachbegriff
Auch wenn Fachbegriffe wissenschaftlich präziser sind, können sie das Lesen erschweren. Unsere Sprache sollten wir deshalb an unsere Zielgruppe anpassen, indem wir unnötigen Jargon vermeiden und Fachwörter in verständliche Sprache übersetzen. Falls die Leser:innen einen Begriff wirklich brauchen, sollte er erklärt werden („Der Reinigungsprozess von Zellen, auch Autophagie genannt, ist wesentlich, um den Körper vor Krankheiten zu schützen“). Für den Lesefluss kann es helfen, den fremden Begriff nicht direkt an den Satzanfang zu stellen. Generell gilt: Nur so viel wie nötig, so wenig wie möglich.
G wie Gendern
Inklusive Sprache kann auch in der Wissenschaftskommunikation dazu beitragen, verschiedene Zielgruppen angemessen anzusprechen und sprachliche Ausgrenzung zu vermeiden. Sprache beeinflusst zudem, an welche Personengruppen wir denken.
Studien zeigen: Geschlechtergerechte Sprache kann dazu führen, dass Personen verschiedener Geschlechter eher mitgedacht werden als beim generischen Maskulinum. Für eine inklusive Ansprache können geschlechtsneutrale Formulierungen wie Forschende oder Lehrkräfte verwendet werden, sowie Formen mit Sternchen oder Doppelpunkt. Diese werden mit dem Anspruch verwendet, Geschlecht nicht auf Frauen und Männer zu begrenzen und auch Menschen jenseits einer binären Geschlechterordnung sprachlich einzubeziehen. Wer nach passenden Formulierungen sucht, findet beispielsweise Anregungen unter https://geschicktgendern.de.
H wie Hervorhebung
Meist ist nicht alles gleich wichtig, und genau das darf man auch sehen. Typografische Hervorhebungen machen zentrale Begriffe und Aussagen sichtbar und bieten Orientierung beim selektiven Lesen, etwa durch fett oder kursiv gesetzten Text, Zwischenüberschriften oder andere typografische Auszeichnungen. Das ist besonders wichtig, da Texte nicht immer von Anfang bis Ende gelesen werden, denn viele Leser:innen überfliegen zunächst eine Seite, suchen nach Einstiegspunkten oder wählen gezielt die Informationen aus, die für sie relevant sind. Hervorhebungen können diesen Leser:innen den Zugang zu Informationen erleichtern. Für die Praxis heißt das: Hervorheben, was beim Überfliegen Orientierung gibt, aber sparsam. Denn wenn zu viel hervorgehoben ist, verliert die Hervorhebung ihre Funktion.
I wie indirekte Rede
„Indirekte und direkte Rede können sich zusammen gut ergänzen”, sagen die Verfasser:innen dieser Praxistipps. Sprachliche Abwechslung sei wichtig, ergänzen sie.
Indirekte Rede lässt einen geschriebenen Text angenehmer erscheinen und er liest sich besser. Verwendet man ausschließlich eine der Formen, wirkt das Geschriebene eintönig. Indirekte Rede steht dabei üblicherweise im Konjunktiv, gibt das Gesagte sinngemäß wieder und muss sich eindeutig einer Person oder einer Institution zuordnen lassen.
Achtung typischer Fehler: Bei indirekter Rede bitte dies sei verwenden und nicht dies wäre. Zweiteres bedeutet streng genommen nämlich genau das Gegenteil: Es wäre dann wichtig, wenn nicht so viele andere Dinge noch wichtiger wären.
J wie Jugendsprache
Checkst du? Wer Kinder und Jugendliche mit Wissenschaft erreichen möchte, sollte auch ihre Sprache und Lebenswelt im Blick haben. Altersgerechte Formulierungen und ein Sprachstil, der zur Zielgruppe passt, machen Inhalte oft verständlicher und nahbarer. Ähnliches gilt insbesondere für Plattformen wie TikTok oder Instagram: Wer hier verständlich, zielgruppengerecht und mit einer passenden Kombination aus Bild, Ton und Sprache kommuniziert, kann junge Menschen besser erreichen.
Achtung Cringe! Gleichzeitig sollte man es mit der sprachlichen Anpassung an die Zielgruppe nicht übertreiben, da sonst die Erwartung an die Professionalität und Authentizität der Kommunizierenden verletzt werden kann. Die Kunst besteht darin, verständlich und nahbar zu sein, ohne die eigene fachliche Rolle aufzugeben.
K wie Komma
Ein Komma am richtigen Platz – so wichtig fürs Textverständnis:
„Der wissenschaftliche Ausschuss rät ab, jetzt nach neuen Forschungsthemen zu suchen.”
„Der wissenschaftliche Ausschuss rät, ab jetzt nach neuen Forschungsthemen zu suchen.”
Auch bei Aufzählungen kann ein Komma helfen, um Mehrdeutigkeiten zu vermeiden. Z. B. gibt es im Englischen das Oxford-Komma, welches zwar nicht verpflichtend, aber hilfreich sein kann:
„I dedicate this text to my parents, Madonna and Barack Obama.“
„I dedicate this text to my parents, Madonna, and Barack Obama.“
Das Komma vor dem and zeigt an, ob der Text vier verschiedenen Personen oder lediglich den durchaus prominenten Eltern gewidmet wird.
L wie lebendig
Studien aus verschiedenen Disziplinen, die sich mit Verständlichkeit beschäftigen, deuten darauf hin, dass lebendige, anregende, interessante und abwechslungsreiche Texte das Verstehen unterstützen können. Lebendige Sprache kann Leser:innen dabei helfen, einem Text leichter zu folgen und sich wissenschaftliche Inhalte besser zu erschließen. Sprachlich gibt es einige Kniffe, die Texte lebendiger machen können:
B wie Beispiele, E wie Erzählungen oder Z wie Zitate.
M wie Multimodalität
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Nicht unbedingt. Aber zusammen können Bild und Sprache ziemlich viel. Denn Kommunikation besteht meist nicht nur aus Sprache: Die Kombination aus Sprache, Bildern, Grafiken, Farben, Typografie, Layout, Ton oder Video beeinflusst, wie wir Inhalte wahrnehmen und verstehen. Dieses Zusammenspiel verschiedener kommunikativer Ausdrucksformen nennt man Multimodalität.
Gerade in der Wissenschaftskommunikation kann Multimodalität hilfreich sein: Eine Grafik erklärt Zusammenhänge, ein Foto weckt Aufmerksamkeit, ein Video macht Forschung lebendig. Aber Achtung: Mehr ist nicht automatisch mehr. Deshalb gilt: Die verschiedenen Elemente sollten sich ergänzen, statt um Aufmerksamkeit zu konkurrieren. Wer Sprache, Bild und Layout aufeinander abstimmt, kann das Verstehen erleichtern. Wer alles gleichzeitig sprechen lässt, erzeugt schnell nur eines: Überforderung.
N wie Nomen
Nomen brauchen wir, um Dinge, Personen oder Sachverhalte zu benennen. Doch ein Übermaß an Nomen kann Texte schnell abstrakt und statisch wirken lassen. Besonders häufig passiert das bei Nominalisierungen: Dabei treten die handelnden Subjekte in den Hintergrund, und stattdessen werden Tätigkeiten oder Prozesse fokussiert – aus anpassen wird Anpassung, aus erhöhen die Erhöhung.
Das kann nützlich sein, um komplexe Inhalte kompakt zu bündeln. Es kann aber auch verschleiern, wer eigentlich handeln soll: „Nach erfolgter Prüfung kommt es zur Freigabe.“ Wer prüft? Und wer gibt frei? Mit Verben wird es oft klarer: „Nachdem Nora den Text geprüft hat, gibt sie ihn frei.“
Die Empfehlung lautet daher nicht: Weg mit den Nomen! Sondern: bewusst einsetzen. Trägt die Nominalisierung zur Präzision, Zeitlosigkeit und Objektivität der Aussage bei – oder versteckt sie nur Handlung und Verantwortung? Das sollte Berücksichtigung finden? Nein. Das sollten wir berücksichtigen!
O wie Oberlehrer
Die geneigte Leserschaft wird es zu schätzen wissen, wenn nicht ständig zwischen den Zeilen der sprichwörtliche Oberlehrer durchschimmert („Wie jeder noch aus Schulzeiten wissen sollte, haben Bakterien die tolle Fähigkeit …“). Solche Formulierungen können überheblich wirken. Dies kann vermieden werden, etwa indem man einfach nur einen schlichten Aussagesatz nutzt: „Bakterien haben die tolle Fähigkeit …“). Da beschleicht mich als Leser:in oder Hörer:in kein schlechtes Gewissen wegen meiner vermeintlichen Unkenntnis, sondern ich erlebe das gute Gefühl, etwas ebenfalls gewusst oder gerade dazugelernt zu haben.
Ö wie Öffentlichkeit
Wen wollen wir mit unseren Texten eigentlich erreichen? Die interessierte Öffentlichkeit? Das klingt erstmal sinnvoll, ist aber herzlich unkonkret. Menschen unterscheiden sich – abgesehen von ihrem Alter, formalen Bildungsstand oder Geschlecht – auch hinsichtlich ihres Vorwissens, ihrer Interessen und Einstellungen zur Wissenschaft. Zudem erreicht man jüngere Menschen beispielsweise häufiger über soziale Medien wie TikTok und Instagram, während ältere Zielgruppen häufiger klassische Informationsangebote wie Fernsehen oder Radio nutzen.
Unterschiedliche Zielgruppen bewegen sich nicht nur in unterschiedlichen Medienwelten, sie bringen auch unterschiedliche Erwartungen an die Aufbereitung mit. Deshalb gilt: Kommunikationskanal und Kommunikationsstil sollten gleichermaßen zur Zielgruppe passen.
Fachbegriffe, vorausgesetztes Vorwissen oder bestimmte Kommunikationsstile können für manche Menschen Barrieren darstellen und dazu beitragen, dass wissenschaftliche Inhalte bestimmte Gruppen nicht erreichen. Inklusive Wissenschaftskommunikation fragt sich daher: „Wen erreichen wir vielleicht noch nicht – und warum?“.
P wie Priorisierung
Ja, Wichtiges kommt zuerst. Lesende sollten schließlich sofort wissen, worum es geht. Dem Spannungsbogen zuliebe sollte man allerdings nicht alles direkt verraten. Sonst bräuchte ja niemand mehr bis zum Textende zu lesen. Auch zwischendurch darf, und sollte, noch die ein oder andere neue Information einfließen, die zu Aha-Momenten führt. So bleibt der Text weiterhin spannend. Damit am Ende alle wichtigen Informationen enthalten sind, kann man sich an den W wie W-Fragen orientieren.
Q wie Quellenangaben
Gerade in der Wissenschaftskommunikation sind Belege für das, was wir schreiben, elementar. Dazu zählen Quellenangaben. Doch aufgepasst! Wenn wir Wissenschaft für Nichtfachleute aufbereiten, werden Quellen üblicherweise nicht in Klammern oder als Fußnoten angegeben, sondern beispielsweise elegant in den Fließtext eingeflochten: Die Meeresbiologin Marina Welle zeigte 2015 in einer vielbeachteten Untersuchung, dass die Bodenschätze in der Tiefsee … und so weiter und so fort.
R wie rhetorische Fragen
Ist ein ABC der guten Sprache wirklich notwendig? Wer so spitzfindig fragt, sollte nicht mit einer sonderlich geistreichen Antwort rechnen. Rhetorische Fragen sind als Stilmittel zum Einstieg in einen Text nur bedingt sinnvoll, weil sie sich eigentlich schon von selbst beantworten. Besonders populärwissenschaftliche Texte möchten dadurch meist Neugier wecken. Geschickter ist es jedoch, eine W wie W-Frage zu stellen, deren Antwort Lesende erst im Verlauf des Textes herausfinden.
S wie Satzlänge
Lange, verschachtelte Sätze sind ein Grundübel komplizierter Texte, und damit wollen wir Nebensätze und Einschübe keineswegs verteufeln, denn man kann in ihnen präzisieren, erklären und ergänzen, auch wenn die Empfehlung lautet, sich trotzdem auf ein bis zwei Informationseinheiten pro Satz zu beschränken, denn nur wenn die Rezipierenden die Chance bekommen, gedanklich zu folgen und das Gelesene oder Gehörte im Kopf zu verarbeiten, kann man von verständlicher Kommunikation sprechen – und dabei hilft, auch wenn einer angenehmen Sprachmelodie die Abwechslung von kürzeren und längeren Sätzen dienlich ist, der Punkt am Satzende.
T wie Tempus
Populärwissenschaftliche Texte beginnen üblicherweise mit einem Satz im Präsens (beginnen) oder im Perfekt (haben begonnen). Mit diesen Zeitformen suggerieren sie von Beginn an mehr Aktualität als mit dem Imperfekt (begannen) oder gar dem Plusquamperfekt (hatten begonnen). In der Überschrift dürfen wir sogar brandaktuell – und übrigens auch platzsparender – formulieren. Wenn Astronom:innen einen neuen Planeten entdeckt haben, funktioniert als Überschrift einer entsprechenden Meldung das Präsens problemlos: „Astronom:innen entdecken neuen Planeten“. Auch dann, wenn dies bereits drei Nächte zurückliegt.
U wie Unterhaltung
Darf Wissenschaft unterhaltsam sein? Wir sagen: Auf jeden Fall! Und der Erfolg zahlreicher Formate wie Science Slams, Blogbeiträge, Comics und populärwissenschaftliche Bücher gibt uns recht. Doch bei aller Euphorie für Unterhaltung und Humor in der Wisskomm hängt der gewählte Stil natürlich auch stark mit dem Thema zusammen. Es gibt Dinge, über die sollte man keine Witze machen. Wer unterhaltsam oder humorvoll schreiben will, braucht also immer auch eine gewisse Portion Fingerspitzengefühl, damit am Ende wirklich alle mitlachen können.
Ü wie Überschrift
Gute Überschriften machen auf einen Artikel oder Beitrag aufmerksam und wecken im besten Fall die Neugier der Lesenden. Grob lassen sich dabei Thema- und Aussagetitel unterscheiden. Thementitel geben das Thema an, ohne inhaltlich viel vorwegzunehmen, z. B. „Extrasolare Planeten“. Worum es dabei geht oder was daran neu ist, bleibt zunächst offen. Ein Aussagetitel hingegen könnte folgendermaßen lauten: „Neuer Planet in der Andromeda-Galaxie entdeckt“. Die Kernaussage ist hier schon Teil der Überschrift und zack, weiß ich Bescheid.
Überschriften dürfen auch kreativ sein und mit unterschiedlichen Stilmitteln spielen („Bekommen die Marsmännchen Verstärkung?“). Allerdings sind kreative Überschriften in ihrer Aussage oft vage. Umso wichtiger ist es, die nachrichtliche Komponente direkt nachzuliefern („Schwedische Astronomin entdeckt erdähnlichen Planeten in der Andromeda-Galaxie“). So bleibt niemand lange im Unklaren darüber, worum es eigentlich geht.
V wie Vergleich
Wissenschaftler:innen tauchen tief ein in ihr spezifisches Thema, doch daran interessierte Nicht-Spezialist:innen müssen sich in eine ganz neue Welt hineindenken. Was dabei ungemein hilft, sind Vergleiche. Je anschaulicher, desto besser: Kleinste Rußpartikel haben eine Größe von etwa 100 Nanometern. Das ist etwa 500-mal kleiner als ein menschliches Haar. Oder anders gesagt: Wäre das Rußpartikel eine Ameise, dann wäre das Haar ein Baumstamm mit einem Durchmesser von einem Meter.
W wie W-Fragen
Profis wie Journalist:innen lernen es gleich zu Beginn ihrer Ausbildung: in einer Meldung die sogenannten W-Fragen zu beantworten, nämlich Was? Wer? Wann? Wo? Wie? Warum? Woher? Unabhängig von der Profession erscheint es lohnenswert, sich an diesen Fragen zu orientieren. Denn damit bekommt das, was vermittelt wird, einen logischen Aufbau. Und inhaltlich bleibt keine Information auf der Strecke. Gerade in Zeiten der Informationsflut bekommt die Antwort auf das Woher in der Wissenschaftskommunikation einen besonders hohen Stellenwert. Mit einer überzeugenden Antwort auf das Warum gelingt es, einen gesellschaftlichen Bezug der eigenen Forschungsarbeit herzustellen.
X wie X-mal gelesen
Nach dem Schreiben eines Textes ist das Überarbeiten ein sehr wichtiger Schritt. Doch wenn man den Text zu oft liest, sieht man irgendwann die Fehler vor lauter Wörtern nicht mehr. Eine Methode ist es, sich selbst den Text laut vorzulesen, aber auch hier können beispielsweise Buchstabnedreher noch übersehen werden. Daher gilt: Selbst kontrollieren ist gut, andere kontrollieren lassen ist besser. So kann noch der eine oder andere Fehler gefunden werden, den man selbst nach X-mal lesen übersehen hat.
Y wie Yoda
„Viel zu lernen du noch hast.“ Die ungewöhnliche Wortstellung, die bei Yoda weise klingt, macht das Lesen von wissenschaftlichen Texten oft schwieriger. Das Deutsche erlaubt zwar eine recht flexible Satzstellung, doch nicht jede grammatikalisch mögliche Reihenfolge ist auch gut verständlich. Stehen beispielsweise zusammengehörige Satzteile weit auseinander, oder kommt die wichtigste Information erst nach mehreren Einschüben, müssen Leser:innen einiges im Kopf behalten.
Für gute Sprache gilt daher: Satzteile, die inhaltlich zusammengehören, möglichst nah beieinander platzieren, und wichtige Informationen nicht, wie z. B. bei S wie Satzlänge sehr gelungen, unnötig verschachteln und verstecken. Denn schwer verständlich ein Satz nicht sein muss.
Z wie Zitate
Zitate können einen Text lebendiger machen. Während I wie Indirekte Rede Distanz schafft, kann direkte Rede eine personalisierte Perspektive bieten. Beispielsweise durch Einschätzungen, Bewertungen und fachliche Einordnungen. Das funktioniert aber nur dann, wenn die direkten Zitate richtig eingesetzt werden, tatsächlich einen Mehrwert bieten und sich auch wirklich wie gesprochene Sprache lesen lassen. Das Gesagte wird dabei wörtlich wiedergegeben und steht in Anführungszeichen.
„Richtig zitieren ist eigentlich gar nicht so schwer“, meint beispielsweise die eben erfundene Kommunikationswissenschaftlerin Sina Sprache und liefert damit ein gutes Beispiel für ein direktes Zitat.
Wissenschaftliche Literaturbasis
A wie Abkürzung
- Brysbaert, M., Mandera, P., & Keuleers, E. (2018). The Word Frequency Effect in Word Processing: An Updated Review. Current Directions in Psychological Science, 27(1), 45–50. https://doi.org/10.1177/0963721417727521
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- Langer, I., Schulz von Thun, F., & Tausch, R. (1974). Verständlichkeit in Schule, Verwaltung, Politik und Wissenschaft: Mit einem Selbsttrainingsprogramm zur verständlichen Gestaltung von Lehr- und Informationstexten. Ernst Reinhardt Verlag.
- Sweller, J., van Merriënboer, J. J. G., & Paas, F. (2019). Cognitive Architecture and Instructional Design: 20 Years Later. Educational Psychology Review, 31, 261–292. https://doi.org/10.1007/s10648-019-09465-5
D wie Didaktische Reduktion
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- Grüner, G. (1967). Die didaktische Reduktion als Kernstück der Didaktik. Aufgewiesen an Beispielen der Berufsschuldidaktik. Die deutsche Schule, 59(7/8), 414–430.
- Lehner, M. (2024). Didaktische Reduktion (3. Aufl.). utb GmbH.
- Stary, J. (2012). Das didaktische Kernproblem. Verfahren und Kriterien der didaktischen Reduktion. Lehren und Lernen.
E wie Erzählung
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- Rueda, A., Rosen, C., & Crúz-Mena, J. (2024). Let science be told: A review of ideas for storytelling in science communication. Metode Science Studies Journal, 768–775. https://doi.org/10.7203/metode.14.26522
G wie Gendern
- Brohmer, H., Hofer, G., Bauch, S. A., Beitner, J., Berkessel, J. B., Corcoran, K., Garcia, D., Gruber, F. M., Giuliani, F., Jauk, E., Krammer, G., Malkoc, S., Metzler, H., Mües, H. M., Otto, K., Rahal, R.-M., Salwender, M., Sczesny, S., Stahlberg, D., … Athenstaedt, U. (2024). Effects of the Generic Masculine and Its Alternatives in Germanophone Countries: A Multi-Lab Replication and Extension of Stahlberg, Sczesny, and Braun (2001). International Review of Social Psychology, 37(1), 1–25. https://doi.org/10.5334/irsp.522
- Chambers, D. W. (1983). Stereotypic images of the scientist: The draw‐a‐scientist test. Science Education, 67(2), 255–265. https://doi.org/10.1002/sce.3730670213
- Müller-Spitzer, C. (2024). Gendern aus fachlicher Sicht [Interview]. Leibniz-Institut für Deutsche Sprache. https://www.ids-mannheim.de/fileadmin/lexik/Empirische_Genderlinguistik/Interview_CarolinMueller-Spitzer_GiB_2024.pdf (zuletzt abgerufen am 08.07.2026).
- Stahlberg, D., & Sczesny, S. (2001). Effekte des generischen Maskulinums und alternativer Sprachformen auf den gedanklichen Einbezug von Frauen. Psychologische Rundschau, 52(3), 131–140. https://doi.org/10.1026//0033-3042.52.3.131
H wie Hervorhebung
- Blum, J., & Bucher, H.-J. (1998). Die Zeitung: Ein Multimedium (Bd. 1). UVK.
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J wie Jugendsprache
- Christ, K., & Huhn, M. (2024). „Den Elfenbeinturm aufbrechen“ Multimodale Wissenschaftskommunikation auf TikTok. Communicatio Socialis, 57(2), 242–258. https://doi.org/10.5771/0010-3497-2024-2-242
- Fiske, S. T., & Dupree, C. (2014). Gaining trust as well as respect in communicating to motivated audiences about science topics. Proceedings of the National Academy of Sciences, 111(suppl. 4), 13593–13597. https://doi.org/10.1073/pnas.1317505111
- Schrögel, P., Humm, C., Leßmöllmann, A., Kremer, B., Adler, J., & Weißkopf, M. (2018). Nicht erreichte Zielgruppen in der Wissenschaftskommunikation: Literatur-Review zu Exklusionsfaktoren und Analyse von Fallbeispielen. https://www.wmk.itz.kit.edu/downloads/Zwischenbericht_Wissenschaft_fuer_alle.pdf
- Tschannen, J., & Meier-Vieracker, S. (2024). Performing Science. Multimodale Analysen zu Wissenschaftskommunikation auf TikTok. In S. Jaki, M. Meiler, J. Pflaeging, & J. Wildfeuer (Hrsg.), Multimodalität in Wissensformaten (Bd. 20, S. 285–322). Lang. https://doi.org/DOI:%252010.5771/0010-3497-2024-2-242
L wie Lebendig
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M wie Multimodalität
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- Stöckl, H. (2004). Die Sprache im Bild – Das Bild in der Sprache: Zur Verknüpfung von Sprache und Bild im massenmedialen Text. Konzepte, Theorien, Analysemethoden. De Gruyter.
Ö wie Öffentlichkeit
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