25 Kommunikationstipps

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Klaus Tschira Stiftung veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen 25 Kommunikationstipps auf verschiedenen Social-Media-Kanälen (Facebook, Twitter, Instagram, LinkedIn). Auf dieser Seite werden alle Tipps schrittweise festgehalten. Die Tipps behandeln fünf wesentliche Bestandteile der NaWik-Lehre: Grundlagen der Wissenschaftskommunikation, verständliches Schreiben, Soziale Medien, Visualisierung und Dialog. Freut Euch bald auf geballtes #Wisskomm-Wissen zu Themen wie: Kommunikation mit verschiedenen Zielgruppen, Storytelling, Wissenschafts-Comics, Präsentation von Forschungsinhalten, Krisenkommunikation und Vertrauen.

  • Orientierung bewahren

    Tipp 1: Orientierung bewahren

    Der Kommunikationsdschungel ist wild und undurchsichtig. Da den richtigen Weg einzuschlagen, ist gar nicht immer so leicht. Als Starthilfe für die ersten Schritte durch dieses Dickicht haben wir den NaWik-Pfeil entwickelt. Dieser Wegweiser schärft das Bewusstsein für die fünf Dimensionen der Wissenschaftskommunikation.

    Gelungene Kommunikation

    • hat ein scharf umrissenes Thema,
    • richtet sich an eine bestimmte Zielgruppe,
    • verfolgt ein vorab definiertes Ziel,
    • orientiert sich am jeweiligen Medium,
    • hat einen entsprechenden Stil.

    Alle fünf Bausteine greifen ineinander. Deshalb ist es wichtig, keinen davon zu vernachlässigen. In den folgenden Wochen stellen wir sie noch einmal genauer vor. Bis dahin gibt unsere Dozentin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim einen Überblick.

  • Das Thema eingrenzen

    Tipp 2: Das Thema eingrenzen

    Je mehr Detailwissen man hat, desto größer ist die Versuchung, die Zielgruppe mit dem eigenen „Ozean des Wissens“ zu überschütten. Doch Nicht-Spezialist*innen kennen sich nur oberflächlich aus und können oder wollen nicht so tief in ein Thema eintauchen. In diesem Experten-Dilemma müssen die Fachleute daher entscheiden, welche Inhalte und Details für die jeweilige Zielgruppe interessant sind. Dabei gilt: So wenig wie möglich und so viel wie nötig.

    Gute Kommunikation hat zudem eine klar zu identifizierende Kernbotschaft. Sie ist höchstens drei Sätze lang und so verständlich formuliert, dass die Zielgruppe sie mit eigenen Worten richtig weitergeben kann.

    Um die Kernbotschaft zu finden, können diese drei Fragen helfen:

    • Welchen Bezug hat die Zielgruppe zum Thema?
    • Welches Problem ist Bestandteil des Themas?
    • Wie könnte eine Lösung dieses Problems aussehen?

    Wissenschaftliche Erkenntnisse auf eine einzige Kernaussage herunterbrechen ist keine leichte Aufgabe. Doch die Mühe lohnt sich: Wer diese Arbeit nicht der Zielgruppe überlässt, erspart ihr Frust und vermeidet Missverständnisse.

  • Die Zielgruppe ansprechen

    Tipp 3: Die Zielgruppe ansprechen

    Beißt keiner an? Auch das spannendste Thema lockt nicht, wenn die Zielgruppe sich davon nicht angesprochen fühlt. Also merke: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!

    Um nicht weiter im Trüben zu fischen, hilft die sogenannte „Personas-Methode“: Dabei stellt man sich die Zielgruppe bildlich und so konkret wie möglich vor. „Die Öffentlichkeit“ ist zu allgemein. Sind es Wissenschaftlerinnen? Zeitungsleser? Ärztinnen? Patienten? Studierende? Eltern? Wie ist deren Einstellung zum Thema? Welches Vorwissen, welche Erwartungen, Sorgen und Wünsche haben sie? Wird man sich über diese Fragen klar, so lassen sich gemeinsame Themen und Schnittmengen finden.

    Wenn man die Zielgruppe nicht gut kennt, kann es auch zu unangenehmen Überraschungen kommen. Um es mit einer Metapher zu sagen: Ein Kaninchen kann einer Meute Füchse die Vorzüge der vegetarischen Ernährung wohl eher nicht schmackhaft machen.

    Mehr dazu, wie das besser geht, erklären wir in diesem Demokurs aus unserem E-Learning-Angebot.

  • Den Stil an das Medium anpassen

    Tipp 4: Der Kommunikationsstil

    Nur Mut! Viele Forscher*innen verlassen in der Kommunikation die sachliche Wohlfühlecke nur ungern. Doch gerade das verlangt so manches Medium: Wer etwa einen Kommentar verfassen möchte, darf nicht vor Wertungen zurückschrecken. Häufig ist gerade von Wissenschaftler*innen eine Einschätzung gefragt. Mit einer pointierten Meinung tun sie ihren Mitbürger*innen einen großen Gefallen, ohne um ihr Ansehen fürchten zu müssen – solange sie sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

    Nicht nur persönliche Meinungen, sondern auch Emotionen sind je nach Medium und Zielgruppe erlaubt: Wer Zuhörern nicht nur Fakten vermitteln will, sondern auch die Begeisterung für das eigene Fach nahebringen möchte, darf den eigenen Gefühlen Ausdruck verleihen. Etwa mit Aussagen wie „ich mache mir Sorgen, dass…“ oder „ich bin überzeugt“ u.v.m. Hier gilt natürlich: Nicht übertreiben und klar stellen, dass dies eine persönliche Meinung ist. Wissenschaftler*innen sollen nicht zu Panikmachern oder Clowns werden.

    Wer sich bewusst von der rein sachlichen Argumentation löst, bekommt automatisch mehr Aufmerksamkeit. Forscher*innen, die damit verantwortungsvoll umgehen, haben sie auch mehr als verdient. Wie Wissenschaft in die Medien kommt, erklärt unsere Dozentin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim in diesem Video.

  • Das Ziel definieren

    Tipp 5: Das Ziel definieren

    Wozu das Ganze? Gründe für den Austausch mit Öffentlichkeit oder Medien können aus der eigenen Perspektive sein: Um das eigene Ansehen zu steigern, zum Austausch über den Kollegenkreis hinaus oder etwa aus Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Vielen macht es nicht nur Spaß – sie hoffen auch, etwas zu bewirken. Doch was? Um das Ziel zu erreichen, muss man es sich erst vergegenwärtigen. Dann hat man eine bessere Orientierung für die eigene Kommunikation.

    Typische Ziele der Wissenschaftskommunikation im Hinblick auf die Zielgruppe sind:

    • Bilden: Die Inhalte der eigenen Forschung vermitteln
    • Informieren: z.B. über aktuelle Themen aufklären
    • Unterhalten: Intellektuelles Vergnügen bereiten, begeistern
    • Überzeugen: z.B. um Verhaltensänderungen zu bewirken

    Wem das nicht schon motivierend genug ist, den überzeugt vielleicht die renommierte Wissenschaftsjournalistin und Dozentin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: Wir brauchen mehr Stimmen aus der Wissenschaft!

  • Verständlich schreiben

    Tipp 6: Verständlich formulieren: einfach   

    Einfach und klar formulieren ist manchmal ganz schön schwer. Unser „Kleeblatt“ hilft dabei, Texte leichter zugänglich und verständlich zu machen. Jedes seiner vier Blätter steht für eine Grundregel:

    • Einfach formulieren, nicht unnötig kompliziert
    • Sich kurz fassen, ausufernde Formulierungen vermeiden
    • Klar strukturieren, das erleichtert das Verständnis
    • Lebendig schreiben, um die Zielgruppe zu fesseln

    Heute beginnen wir mit dem Aspekt „einfach“. In den kommenden drei Wochen folgen dann Tipps für die übrigen drei Merkmale guter Texte.

    Wer etwas nicht einfach erklären kann, hat es oft selbst nicht verstanden.

    Ein Text wird verständlicher, wenn wir Fremdwörter durch geläufige Begriffe ersetzen und unnötige Fachwörter vermeiden oder wenn sie unverzichtbar sind, diese einführen.

    Auch Zahlen und Prozentangaben erzeugen beim Gegenüber häufig eher Verwirrung, als dass sie für Klarheit sorgen. Extrem kleine oder große Zahlen lassen sich beispielsweise mit bildhaften Vergleichen veranschaulichen. Ein Beispiel: Wenn man sich die Erde als Golfball vorstellt, hat der Mond etwa die Größe einer Haselnuss.

    Zudem fordern präzise Formulierungen das Verständnis und lassen erst gar keine Fragezeichen in den Köpfen entstehen.

    Einmal mehr ist es dabei wichtig, sich in die Zielgruppe hineinzuversetzen und einen Bezug zu deren Alltag herzustellen: Welchen Zugang hat eine 6-Jährige zum Thema, wie kann man es ihr be-greifbar machen? Irgendwie klar, dass ihr Verständnis von Fachbegriffen nicht so ausgeprägt ist wie bei einem Vortrag vor einem Schulkollegium. Unser Rat: Legen Sie die Messlatte lieber ein wenig zu tief als zu hoch – dann kommen mehr drüber. . .

    Übrigens sind die Tipps nicht nur beim Schreiben nützlich – Auch für Vorträge und Interviews empfehlen wir, sie im Hinterkopf zu behalten.

  • Sich kurz fassen

    Tipp 7. Verständlich formulieren: kurz

    Kurz gesagt: Ein Gedanke, ein Satz!

    Das heißt übrigens nicht, dass der Satz dann einen ganzen Absatz umfassen darf. Den Sinn von Sätzen mit 20 Wörtern und mehr erfassen die meisten von uns nur noch mit Mühe. Mehrere kurze Sätze dagegen sind leichter zu verdauen. Ein Text wird gleich viel schlanker, wenn man Hauptsachen in Hauptsätze packt, Einschübe auflöst und sich auf das Wesentliche beschränkt. Dazu gehört, auf Allgemeinplätze wie „aber bekanntlich wird nichts so heiß gegessen wie gekocht“ zu verzichten – einfach schreiben, was ist. Das reicht schon.

    Es lohnt sich, einen Text abschließend noch mal auf Füllwörter hin durchzulesen. Sie werden überrascht sein, wie viele „sozusagen“, „auch“ und „gewissermaßen“ überflüssig sind.

    Ein echtes Problem sind Bandwurm- und Schachtelsätze: Ein mit vielen langen Wörtern geplagter Text schreckt auch gutmeinende Leser*innen schnell ab – und für Hörer*innen gilt dies erst recht, denn beim Zuhören gibt es kein „Zurückblättern“.

    Wenn wir über Kürze reden, läuft ein winziges Satzzeichen zu ganz großer Form auf: der Punkt. Ein Punkt am Satzende bedeutet eine Denkpause für die Leser*innen. Das Satzende bietet uns die Chance, noch einmal schnell abzuchecken, ob wir verstanden haben, was gemeint war. Und dann geht’s weiter mit dem nächsten Satz.

    Das gilt übrigens auch für Absätze. Sie bieten ebenfalls die willkommene Gelegenheit, das Gelesene zu „verdauen“. Gute Autor*innen helfen dabei übrigens ganz unauffällig, indem sie selbst einen Absatz mit kompliziertem Inhalt abschließend noch mal in anderen Worten auf einen Nenner bringen. Wichtig: Das widerspricht nicht dem Prinzip, sich auf das Wesentliche zu beschränken!

  • Strukturiert vermitteln

    8. Verständlich formulieren: strukturiert

    Hier entlang! – ein guter Text nimmt seine Leser*innen an die Hand und gibt ihnen gleich am Anfang einen Überblick über die zu erwartenden Inhalte. Idealerweise findet sich hier schon die zentrale Aussage, die Kernbotschaft. Etwa im Sinne von: „Sprachwissenschaftler*innen haben jetzt herausgefunden, dass Zwischenüberschriften das Textverständnis dramatisch verbessern können.“ Der Vorspann weckt die Neugierde und trägt dazu bei, die Aufmerksamkeit zu halten. Die Inhalte folgen idealerweise einem roten Faden, sind klar strukturiert und gehen Schritt für Schritt weiter in die Tiefe.

    Zwei wichtige Struktur-Werkzeuge sind:

    • Ein inhaltlich logischer Aufbau, etwa als chronologische Erzählung, Argumentationskette oder nach Wichtigkeit hierarchisch sortiert.
    • Eine klare Gliederung durch Zwischenüberschriften, Hervorhebungen, Einrückungen, Absätze, Bilder, Grafiken, Infokästen,.. .
  • Lebendig schreiben

    9. Verständlich formulieren: lebendig

    Einem Text Leben einzuhauchen ist kein Hexenwerk. Diese Anregungen können helfen, packender und lebendiger zu schreiben:

    Sprache braucht Verben, und zwar im Aktiv. Umgangssprachlich heißen sie nicht ohne Grund Tu-Wörter. Wo sie stehen, passiert etwas. Im Passiv dagegen verlieren sie ihre Aktivität wieder.

    Substantive, also Nomen, heißen umgangssprachlich Hauptwörter. Das sollte uns nicht davon abhalten, eher sparsam mit ihnen umzugehen. Denn sehr Substantiv-lastige Texte wirken statisch – und sind damit das Gegenteil von lebendig. Substantivierungen sind wie Stolpersteine und stören den Lesefluss. Diese sind leicht zu erkennen: Sie bestehen aus Verben und Adjektiven mit den angehängten Nachsilben -heit, -keit, -nis und -ung.

    Beispiele und Metaphern tragen zu einem guten Textverständnis bei, weil sie es uns ermöglichen, die dargestellten Dinge in unseren Alltag zu übertragen. Beispielsweise wenn wir statt „50 Mikrometer“ sagen: so dünn wie ein menschliches Haar.

    Gute Metaphern helfen zudem, Phänomene zu erfassen, die außerhalb der eigenen Erfahrungswelt liegen. Doch Vorsicht vor falschen Bildern! Ein gelungenes Beispiel ist die Matrjoschka-Puppe als Metapher der Teilchenphysik: Immer wieder dachten Physiker*innen, sie hätten die kleinsten Teilchen im Atomkern entdeckt. Aber genau wie sich in der Puppe immer eine noch kleinere Puppe verbirgt, finden Physiker*innen bis heute immer wieder noch kleinere Teilchen.

    Noch mehr Schreibtipps von unserem Dozent Klaus Wingen gibt‘s hier.

  • Eine Geschichte erzählen

    10. Eine Geschichte erzählen

    Beim Storytelling ist es wie beim Wandern: Der Weg ist das Ziel. Auch ein Forschungsweg kann zu einer Erzählung werden: Sie lebt von einer Hauptfigur, die vom Problem über Hindernisse zur Erkenntnis gelangt.

    Beim Storytelling kann das Prozesshafte des wissenschaftlichen Arbeitens einfließen und anschaulich machen, wie Wissenschaft funktioniert. Doch es muss dies keine chronologische Nacherzählung sein, eine dramaturgisch aufgebaute Geschichte ist oft verständlicher.

    So kann mit einem fesselnden Spannungsbogen das Publikum bei der beharrlichen Überwindung von Hindernissen regelrecht mitfiebern und über potenzielle Entdeckungen staunen. Lässt man Laien an der Achterbahn der Gefühle teilhaben und Leidenschaft, Hoffnungen und Enttäuschungen der forschenden Hauptfigur nachempfinden, gibt man der Wissenschaft ein menschliches Gesicht.

    Die Wahl der Hauptfigur beeinflusst stark, wie die Geschichte erzählt wird. Diese Figur muss nicht unbedingt ein Mensch sein: Ob Gruppe, Tier, Pflanze, Einzeller, Gegenstand, Institution, Idee – Hauptsache es fällt mit ihr leicht, dem Spannungsbogen zu folgen. Und natürlich muss die zentrale Botschaft der Geschichte zur Kernbotschaft passen.

    Aber, merke: Storytelling ist kein Werkzeug, um eine dröge Geschichte in fesselnden Lesestoff zu verwandeln. Eine langweilige Nachricht, die eigentlich keine ist, wird durch Storytelling keinen Deut besser..

    Weitere Tipps rund um’s Storytelling hat unser Dozent Klaus Wingen hier zusammengestellt.

  • Ins Netz gehen

    10. Ins Netz gehen

    Im Netz sind viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon längst unterwegs, wenn oft auch nur privat. Dabei eignen sich soziale Medien sehr gut für die Kommunikation von Forschung. Kaum eine Universität oder Institution setzt nicht auch auf beispielsweise Twitter, Facebook oder LinkedIn, um zusätzliche Zielgruppen zu erreichen. Geteilt werden Pressemitteilungen, aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse und auch Porträts oder direkte Beiträge von Forschenden. Auch im Journalismus werden diese Kanäle längst als Informationsquellen genutzt.

    Für Forschende bieten sozialen Medien daher eine Chance, um auf sich und ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Daten können vermittelt, Irrtümer beseitigt oder Falschmeldungen entgegengewirkt werden. Ein Ziel kann auch sein, bewusst Einfluss auszuüben, auf die Politik beispielsweise. Für Debatten oder das Einbeziehen der Bevölkerung in Forschungsfragen, werden soziale Medien ebenfalls gerne genutzt. Aktive Kommunikation online kann sich auch direkt für die eigenen Karriere lohnen. Es gibt Daten, die zeigen, dass wissenschaftliche Veröffentlichungen, die in den sozialen Medien geteilt werden, auch vermehrt in Fachartikeln zitiert werden. Auch wer soziale Medien passiv nutzt, bekommt eher mit, was über das eigene Forschungsgebiet oder die Institution gesagt wird.

    Für alle, die mehr über die einzelnen Medien und ihre Nutzung erfahren möchten, empfehlen wir die von uns zusammengetragene Leitliniensammlung und weitere Tipps, auch Solche die bei der Online-Krisenkommunikation helfen.

  • Twitter  - Strategie für Einsteiger

    11.Twitter  – Strategie für Einsteiger

    Twitter ist wohl das von Forschenden am meisten genutzte Soziale Medium – sowohl um mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu kommunizieren, als auch um breitere Zielgruppen jenseits des eignen Fachgebiets zu erreichen. Ganz grundsätzlich kann man Twitter sowohl passiv als Informationskanal als auch aktiv als eigenen Kommunikationskanal nutzen.

    Wer sein Twitter-Konto mit Bild und Biographie eingerichtet hat, fängt am Besten damit an, relevanten Konten zu folgen. Das können Freunde und Kollegen sein, Twitter-Feeds der Journals die man liest, die Kanäle anderer Labore und wissenschaftlicher Einrichtungen, oder die Konten bekannter Persönlichkeiten oder Nachrichtenseiten. Man kann sich auf diese Weise einen eigenen Nachrichtenkanal zusammenstellen.

    Wer möchte, dass andere Twitter Nutzer einem folgen, sollte dann anfangen, eigene Tweets zu schreiben. Und natürlich zählt zum Netzwerken dazu, interessante Tweets von andern zu Liken, per Re-Tweet zu teilen und dabei gerne auch zu kommentieren. Gute Tweets bieten einen Mehrwert, egal, ob sie witzig oder kontrovers sind, aktuelle Themen aufgreifen oder einfach informativ sind.

    Auf Konferenzen kann man sich per häufig gesetzten Konferenz-Hashtag mit anderen austauschen und auch so sein Netz erweitern. Oder wenn man selbst einen Vortrag hält, ist es gut, das eigene Twitter-Handle auf einer Folie, am besten gleich Anfang einzublenden. Dann können Zuhörer gleich über das Gehörte twittern.

    Forschende, die selbst aktiv auf Twitter sind, können damit übrigens den Impact der eigenen Forschung potenziell beeinflussen. Denn sie erreichen über Twitter nicht nur Fachkollegen, sondern auch andere, die sonst nichts über ihre Publikationen erfahren würden. Das erhöht die Aufmerksamkeit und eventuell die Chancen, dass das Paper später zitiert wird. Inzwischen zeigen einige Studien, dass die Zahl der Tweets über ein Paper mit der späteren Zahl der Zitationen immerhin korreliert.

  • Funktion und Relevanz!

    Tipp 13 Funktion und Relevanz!

    Videos auf YouTube & Co. liegen im Trend der Wissenschaftskommunikation vieler Forschender und auch der Forschungseinrichtungen. Dabei hat sich inzwischen herumgesprochen, dass Authentizität und ein Präsentationsstil, der zur Zielgruppe passt, wichtige Faktoren für den Erfolg der Videos sind. Wer gute Videos produzieren will, sollte sich darüber hinaus aber mit zwei Fragen besonders auseinandersetzen.
    Erstens: Was ist die (kommunikative) Funktion meines Videos? Klassisches Beispiel: Soll der wissenschaftliche Inhalt oder die strategische Positionierung des Forschungsinstituts im Mittelpunkt stehen?
    Und zweitens: Ist das, was im Video gezeigt und gesagt wird, wirklich relevant für die Funktion, die das Video erfüllen soll.

    In Sachen Relevanz bedeutet dies zudem, bewusst alles wegzulassen, was ablenken könnte. So zeigen Studien mit Betrachtern und Betrachterinnen von wissenschaftlichen Videos, dass die Aufmerksamkeit auf das eigentlich Wesentliche schnell mal verloren geht, wenn im Hintergrund beispielsweise ein Familienbild im Bücherregal steht oder ein goldener Brieföffner liegt. Es gilt also nicht nur zu überlegen, was wegen seiner hohen Relevanz im Video unbedingt gezeigt und besprochen werden muss. Es gilt auch unbedingt zu überlegen, was nichts damit zu tun hat und dies wegzulassen. Denn Content ist King!

    Und nicht zuletzt sind natürlich eine konstante Ton- und Bildqualität relevant für die Aufmerksamkeit. Auch das bestätigen wissenschaftliche Untersuchungen.

     

  • Digitales Schaufenster

    Tipp 14: Digitales Schaufenster

    Das wohl visuellste soziale Medium ist derzeit Instagram. Inzwischen hat die App über eine Milliarde aktive Nutzer*Innen und setzt auf Bilder bei der Verbreitung von Inhalten. Auch für Wissenschaftler*Innen kann Instagram ein starkes Werkzeug zur Kommunikation ihrer Arbeit werden.

    So lässt sich eine Art digitales Schaufenster für die eigene Wissenschaft erstellen. Intuitiv gut funktionieren:
    – Gesichter die Emotionen abbilden und persönlich ansprechen beispielsweise Portraits oder auch Selfies
    – interessante Orte, beispielsweise Labore, die sonst nicht einsehbar sind
    – hohe Kontraste und lebendige Farben.

    Der (Medien-) Mix macht es dabei: Neben klassischen Fotografien können auch kurze Videoloops (Boomerang), Bilderreihen, Videos und Animationen gepostet werden. Eine Instagram-Story oder Instagram-TV eignet sich vorzüglich um Aufmerksamkeit auf aktuelle Forschungsthemen zu lenken. Geschickt gesetzte Hashtags und gezielte Erwähnungen sowie die Verortung eines Beitrags führen dabei zu einer beachtlichen Vergrößerung der eigenen Reichweite.

    Experimente können anschaulich in Fotosequenzen abgebildet, das Instituts-Team menschlich und nahbar in Portraits oder Videos vorgestellt werden. Diese persönliche Darstellung als Forscherin oder Forscher ist besonders wertvoll, da sich so Vorurteile gegen Wissenschaft allgemein abbauen lassen und die Akzeptanz für eigene Themen und Fragestellungen erhöht wird.

    Wie alle sozialen Netzwerke eignet sich auch Instagram sehr gut zum Aufbau einer treuen Community. Wer seine Followerzahl erhöhen möchte, sollte sich also auch für Andere interessieren: Je mehr Likes und Kommentare ihr verteilt und je mehr Stories ihr betrachtet, desto sichtbarer werden eure eigenen Beiträge im Netzwerk geteilt. Besonders gut funktionieren dabei substanzielle Nachfragen und Kommentare. Denn nebenbei ist Instagram ein tolles Medium um anregende Diskussionen, Impulse und Fragestellungen einzufangen oder per Direktnachricht unkompliziert andere Forscher*Innen zu kontaktieren.

    Auf Instagram ist es etwas umständlich, externe Inhalte und Themen zu verlinken. Dies ist so gewollt – Instagram ist hier sein eigenes Biotop. So können Links nicht interaktiv in den Bildbeschreibungen oder Kommentaren platziert werden. Ein Link im Profil bietet hier einen Ausweg. Er kann über spezielle Applikationen zu einem Portal ausgebaut werden, das es ermöglicht alle Beiträge mit Links zu verknüpfen.

    Insgesamt bietet Instagram ein dynamisches Umfeld, um Forschung unkonventionell und direkt zu kommunizieren, Forschende als Persönlichkeiten darzustellen und sich gut mit anderen Medien ergänzt.​

  • Wissenschaft um die Ohren

    Tipp 15: Wissenschaft um die Ohren

    Podcasts gibt es in sehr unterschiedlichen Längen und Formaten. Von zehnminütigen Einblicken bis hin zu mehrstündigen Interviews ist alles erlaubt und wird alles gehört. Wie in anderen Formaten gilt auch beim Podcast über Wissenschaftsthemen: Authentisch bleiben! Fachlich argumentierende Persönlichkeiten finden ebenso eine Hörerschaft wie aufgeweckte Entertainer*innen.

    Wer einen eignen Podcast starten will, sollte sich zunächst über das Konzept und die Themenwahl Gedanken machen. Soll sich der Podcast ausschließlich einem Thema wie beispielsweise der Pflanzenforschung widmen? Oder sollen verschiedene Fachgebiete abgedeckt oder neben Forschungsthemen sogar auch über Musik, Filme und Sport gesprochen werden? Hilfreich ist es, das Konzept für mehrere Folgen im Voraus auszuarbeiten. So prüft man automatisch die Tragfähigkeit der eigenen Idee und leistet wichtige Vorarbeit, um nach dem Start regelmäßig publizieren zu können.

    Wie bei allen Projekten im Bereich Wissenschaftskommunikation sollte auch hier die Zielgruppe klar definiert sein. Was macht den Podcast für diese Zielgruppe spannend und unterscheidet ihn von anderen? Finden Sie Ihre Nische!

    Auch das Format will gut überlegt sein. Soll es ein aktueller Nachrichtenpodcast werden? Oder ein gemütlicher Plausch mit wechselnden Gästen? Will man das Studioformat oder Live-Berichterstattung mit O-Tönen? Oder soll es ein bunter Formatemix werden?

    Und nicht vergessen: Podcasts sind ein Nebenbeimedium. Viele Zuhörer*innen widmen sich während des Zuhörens anderen Aufgaben wie etwa Putzen oder Sport. Deshalb ist es wichtig, eine einfache und verständliche Sprache zu verwenden. Auch die Struktur muss klar und für die Hörer*innen nachvollziehbar sein. Bei einem anspruchsvollen Programm können Unterbrechungen mit Musik den Podcast auflockern und den Zuhörer*innen Zeit geben, das Gehörte zu verarbeiten.

    Sogenannte Show Notes können den Audiopodcast ergänzen. Sie stellen auf der Webseite des Podcast oder auch in manchen Podcast-Apps Begleitinformationen bereit und beinhalten beispielsweise Visualisierungen zum besprochenen Thema oder weiterführende Informationen. Wer Show Notes nutzt, sollte bei der Aufnahme bereits auf diese verweisen.

    Und nicht vergessen: Den Podcast und neue Episoden auf verschiedenen Sozialen Medien streuen, um treue wie neue Hörer*innen darauf aufmerksam zu machen.

    Übrigens listet die Seite Wissen{schaft}spodcasts über 130 deutschsprachige Wissenschaftspodcasts. Zum einen kann man hier gut reinhören und von anderen erfolgreichen Podcasts lernen. Zum anderen besteht die Chance, mit dem eigenen guten Wissenspodcast in die Liste aufgenommen zu werden.

  • Unsichtbares sichtbar machen
  • Ein gutes Bild abgeben
  • Bilder sprechen lassen
  • (Aus)gezeichnet erklären
  • Auf den Dreh kommen
  • Medienkontakt
  • Präsentieren
  • Überzeugend Argumentieren
  • Risiko- und Krisenkommunikation
  • Vertrauen