WissKon22: Den Austausch mit Leben erfüllt

Eine Plattform, auf der sich kommunizierende Wissenschaftler:innen treffen, austauschen und in ihren Ideen bestärken – so lautet der Anspruch des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation (NaWik) an seine jährliche Fachtagung „WissKon“. Die WissKon 2022 am 20. Mai bot dabei besonderen Grund zur Freude: Denn da es sich um eine Hybrid-Veranstaltung handelte, bot sie parallel zur virtuellen Übertragung eben auch die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung. „Endlich mal wieder“, dürften die meisten Teilnehmenden gedacht haben.

Die Freude über die persönliche Begegnung war der NaWik-Geschäftsführerin und -Direktorin Beatrice Lugger anzumerken, als sie in ihrer Begrüßung den Gästen im Karlsruher Bürgerzentrum Südstadt bei prächtigem Mai-Wetter einen „sehr bunten Strauß an Inspirationen“ in Aussicht stellte. Damit sollte sie recht behalten, denn das thematische Spektrum war enorm groß.

Beatrice Lugger begrüßt alle Teilnehmenden

Groß ist auch der Anteil der Forschenden, die Wissenschaftskommunikation als Teil ihres Berufsbildes begreifen, denn er liegt laut einer von Beatrice Lugger zitierten Untersuchung bei über 70 Prozent. In dieser Größenordnung bewegt sich auch der Anteil der Forschenden, die sich mehr Fort- und Weiterbildung wünschen. Dazu Beatrice Lugger: „Ich sage nur: Willkommen am NaWik“.

Als auf die Wissenschaft spezialisierter Seminaranbieter und als Forschungseinrichtung hat sich das NaWik nämlich in den vergangenen zehn Jahren, also seit seiner Gründung im Jahr 2012,  ausgesprochen eindrucksvoll entwickelt. Dieses Jubiläum wurde am Abend der WissKon mit vielen Förderern und Wegbegleitern standesgemäß gefeiert.

So nahm das NaWik die WissKon zum Anlass, zwei bedeutsame inhaltliche Neuerungen vorzustellen: Zum einen ging pünktlich zum Jubiläum der WissKomm-Campus an den Start, ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstütztes E-Learning-Angebot zum Thema Wissenschaftskommunikation. Es soll nun laut Christian Dobrinoff Stück für Stück um weitere Module ergänzt werden und Forschenden, Studierenden, sowie Forschungs- und Hochschuleinrichtungen mit einer Mischung aus Videos, Animationen, Texten, Übungen und Abschluss-Quiz eine Selbstlern-Option eröffnen. Zum anderen das WissKon-Netzwerk, vorgestellt von Virginia Albert. Es handelt sich gleichsam um eine ganzjährige Ergänzung zur Fachtagung, um den Austausch unter kommunizierenden Forschenden zu fördern. In einem allgemein zugänglichen Bereich finden Interessierte beispielsweise Tipps und Beispielprojekte. In einem geschlossenen Bereich für inzwischen mehr als 200 registrierte Personen findet sich unter anderem der Zugang zu spezifischen Communities, für die beispielsweise Digitale „Lunch Talks“ mit Input und Diskussion ausgerichtet werden.

Als Keynote-Speakerin der WissKon22 nahm die Entscheidungsforscherin Dr. Mirjam Jenny von der Universität Erfurt die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik genauer in Augenschein. Ein schlichtes Mehr an Wissenschaftskommunikation sei nicht zwangsläufig dienlich, denn worum es wirklich gehe, sei eine politische Maßnahmengestaltung, „die vom Menschen her denkt“. Gerade bei Themen wie Klimawandel oder Corona müsse Wissenschaftskommunikation dazu beitragen, die Entscheidungs- und Selbstkontroll-Kompetenz der Menschen zu stärken. Besonders wirkungsvoll sei die Kommunikation dann, wenn sie auch von Akteuren aus der Mitte der Gesellschaft verstärkt werde. Als Beispiel verwies sie auf die Impfkampagne in Sachen Corona, die beispielsweise auch ein bekannter Cartoon-Zeichner und eine kommunale Stadtreinigung in origineller Weise unterstützten. Umgekehrt lasse sich an der Impfkampagne aber auch zeigen, wann Kommunikation ihre Wirkung verfehle – etwa dann, wenn zu komplexe Botschaften innerhalb einer zu geringen Aufmerksamkeitsspanne vermittelt würden und sich dabei Pro und Contra in der Wahrnehmung von flüchtigen Betrachtern vermischen.

Keynote der Entscheidungsforscherin Dr. Mirjam Jenny

Innovative Projekte aus der Wissenschaftskommunikation innerhalb von sieben Minuten zu präsentieren: Auch dieser ausgesprochen beliebte Programmpunkt war wieder Teil des WissKon. In diesem Jahr erfuhren die Gäste beispielsweise mehr über wegweisende Podcast-, Instagram-Angebote sowie über ein Online-Archiv für persönliche Erinnerungen von Bürgern an die Corona-Pandemie.

Souverän und sympathisch moderierte die NaWik-Dozentin Dr. Ulrike Brandt-Bohne durch die Veranstaltung, die am Nachmittag mit mehreren Workshops endete. Ein Teil davon wurde vor Ort angeboten, der andere Teil als Online-Workshop. So, wie es sich eben für eine umfassende Hybrid-Veranstaltung gehört.

Weitere Impressionen (von Tim Wegner) der WissKon22 aus dem Südwerk in Karlsruhe.