Voller Saal und viel Austausch – Das #NaWik19 Symposium

„Das schreit nach Wiederholung“, sagt Beatrice Lugger, Direktorin des NaWik nachdem sie das Ergebnis des Online-Votings der Teilnehmenden am Ende des Symposiums am 5. April 2019 sieht. 100% meinten, eine solche Veranstaltung für Forschende sollte regelmäßig stattfinden.

Rund 100 Wissenschaftskommunikationsbegeisterte waren zum #NaWik19 Symposium nach Karlsruhe gekommen. Unter dem Motto „Und jetzt Du!“ waren Forschende angesprochen, die in unterschiedlichen Formaten mit der Öffentlichkeit und den Medien kommunizieren. „Es freut uns sehr, dass unserer Idee, ein Forum für kommunizierende Forschende zu schaffen, in der Tat viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefolgt sind“, betont Lugger. Deren Themen und Kommunikationsansätze standen im Mittelpunkt des Tages  (Programm).

Zu Beginn hatte Mai Thi Nguyen-Kim mit ihrer Keynote alle direkt angesprochen. Sie führte anschaulich fünf Gründe für Misstrauen gegenüber der Wissenschaft aus und zeigte, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen kommunikativ entgegenwirken können. Wir alle leiden ihrer Einschätzung nach an Informationsüberfluss und bedienen, angefangen von der Presse bis zum Daumenvoting in Sozialen Medien die sogenannte „Erregungsbewirtschaftung“ (Wortkreation von Ranga Yogeshwar). Dazu komme, dass heute wirklich jeder ein Sender in Richtung Öffentlichkeit sein kann, was nicht unbedingt eine Qualitätssteigerung befördert. Und Autoritätsverluste der Forschung im Sinne vom Verlust der Deutungshoheit sowie die algorithmischen Filterblasenwelten tun ein Übriges.

Und jetzt? Kopf in den Sand? Nein, natürlich nicht, meint Nguyen-Kim und ermutigt gerade die anwesenden Forschenden mit ihrer Kommunikation weiterzumachen. Weil sie authentisch für ihre Themen stehen. Dabei sollten wir alle unser jeweiliges Gegenüber respektvoll behandeln und nicht unterschätzen. Wir könnten der Öffentlichkeit in der Wissenschaftskommunikation deutlich mehr an Inhalt, Tiefe und Länge zutrauen als dies häufig geschieht. Ihr eigener YouTube-Channel Mai-Lab sei das beste Beispiel dafür. Nachdem Nguyen-Kim auf ihrem Kanal entschied, nicht mehr kurze Video-Beitragshäppchen, sondern längere Videos mit explizit mehr Hintergrundinformationen zu produzieren, schoßen ihre Zuschauerzahlen steil in die Höhe. Tiefgang lohnt sich also.

 

Ein weiterer Mut-Macher für mehr Wissenschaftskommunikation von Seiten der Forschenden folgte mit dem Beitrag von Tobias Maier, dem inhaltlichen Leiter des NaWik. Er zitierte aus aktuellen Studien zur Wissenschaftskommunikation von Forschenden und arbeitete heraus, warum es sich lohnt, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst kommunizieren und welche Faktoren der Motivation zur Kommunikation zugrunde liegen.

 

Nadine Knab stellt das Fachnetz Flucht vor.

Ab dann hatten die Anwesenden die Programmhoheit. Im Format 7 x 7 stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Kommunikationsprojekte und -ideen vor:

Jan Crusius gab Einblicke in die Plattform In-Mind, einem Online-Magazin von Psychologen für ein breites Publikum, das seit Jahren bereits etabliert ist und in mehreren Sprachen erscheint.

Astronomy on Tap bringt das Astronomie in Kneipen und Bars – mit einem ausgeklügelten Konzept, Anschauungsmaterial, Stickern und mehr – wie Daniel Angerhausen erzählte.

Kerstin Göpfrich hat sich Gedanken gemacht, wie sie selbst Schülerinnen und Schüler mehr für Forschung begeistern kann und bringt nun mit Ring a Scientist Forschende per Skype-Schalte in die Klassenzimmer.

Modellansatz ist eine Podcast-Reihe mit bereits mehr als 200 Episoden und 400.000 Downloads – und das zum Thema Mathematik! Gudrun Thäter bringt gemeinsam mit Sebastian Ritterbusch dafür wechselnde Gesprächspartner vor das Mikrofon.

Wie kann aktuelle Forschung zur Verbesserung der täglichen Arbeit von hauptamtlich und ehrenamtlich Tätigen im Bereich Flucht und Integration beitragen? Hierfür hat Nadine Knab gemeinsam mit zehn weiteren Sozialpsychologinnen und Psychologen das Fachnetz Flucht

Kontrovers, aber gerne! Florian Dehmelt und Lars Dittrich wissen, dass Tierversuche kein einfaches Thema sind. Aber gerade deshalb ist es so wichtig darüber zu reden, finden sie. Und das machen sie mit den Vereinsmitgliedern von Pro-Test auf allen Kanälen – online wie offline.

Niedrigschwellig und dafür gleich eine Reichweite von einer Million Impressions pro Monat – das kann nutzen, wer eine Woche lang den Kuratorenstab des Twitterkanals Real Scientists.DE übernehmen darf. Jens Foell hat dankenswerterweise die Idee aus den USA nach Deutschland gebracht.

 

Am Nachmittag ging es in die intensiven Diskussionen im World-Café zu Themen wie:

  • Anerkennung und Anreizsysteme für kommunizierende Forschende
  • Kommunikation von Forschungsprojekten
  • Interaktion zwischen Forschenden, Kommunikatoren und Medien
  • Dos & Don`ts für Forschende in der Wissenschaftskommunikation
  • Zielgruppe Schülerinnen und Schüler
  • Wie gewinne ich Publikum vor allem online?
  • Der Einsatz von Podcasts in der Wissenschaftskommunikation

 

Sven Kadegge erläutert die Ergebnisse des World-Café-Parts zum Wechselspiel von Forschenden, Kommunikatoren und Medien

Die Präsentationen der Ergebnisse durch die Teilnehmenden gaben viele wertvolle Einblicke. Wir werden sie noch detaillierter aufgreifen – in eigenen Blogpostings und einem gedruckten Symposiumsband. Wir bitten um Geduld.

Auf jeden Fall Danke allen, die dabei waren für ihre wertvollen Beiträge und das große Engagement. Es war aus unserer Sicht ein rundum guter Tag für die Wissenschaftskommunikation. Getragen vom Feedback, sowohl im Online-Voting, in persönlichen Gesprächen, als auch auf vielen Social Media Kanälen, freut sich Beatrice Lugger: „Wir werden auf jeden Fall auch im kommenden Jahr wieder eine Veranstaltung für Forscherinnen und Forscher, die sich in der Wissenschaftskommunikation aktiv einbringen, auf die Beine stellen.“

In diesem Sinne: Wir bleiben im Kontakt und bis spätestens im nächsten Jahr!

PS: In den nächsten Wochen werden hier Videos und weitere Textbeiträge zum #NaWik19 Symposium „Und jetzt Du!“ folgen.