Wissenswertes aus der #Wisskomm 21-01

Das Jahr 2021 startete auf der Plattform Wissenschaftskommunikation.de mit Beiträgen zu diverser und evidenzbasierter Wissenschaftskommunikation. Außerdem gibt es einen Zwischenstand von der vom BMBF initiierten #FactoryWisskomm und Erkenntnisse darüber, welche Faktoren mehr Akzeptanz bei der Kommunikation von Forschungsergebnissen schaffen.

Geht evidenzbasierte Wisskomm ohne Storytelling?

Wie sollte wissenschaftliche Evidenz insbesondere bei in der Öffentlichkeit strittig diskutierten Themen kommuniziert werden? Angestoßen durch einen Beitrag auf Nature.com, in dem für „informieren, aber nicht überzeugen“ plädiert wird, gab es eine Reihe von Reaktionen aus Sicht der Kommunikations- und Sozialforschung.

Hans Peter Peters von der FU Berlin wünschte sich einen differenzierteren Blick und fügt hinzu, dass Stories als Erzählweise gut funktionieren können, je nach Situation aber auch von der eigentlichen Kernbotschaft ablenken und ein (zu) starkes Framing beinhalten könnten.

Mike Schäfer von der ETH Zürich weist auf die unterschiedlichen Typen von Zielgruppen hin, bei denen gegebenenfalls auch eine andere Ansprache sinnvoll ist und stellt in diesem Sinne ein „One Size Fits All“-Modell infrage. Martin Bauer von der London School of Economics and Political Science sieht ein Regelwerk für die Kommunikation als durchaus nützlich an, fragt aber, wie Kommunikation überhaupt ohne eine entsprechende Rhetorik auskommen soll.

Relevanz eines allgemeinen Verständnisses von Wissenschaft und neue Wege für die Kommunikation

Inwiefern erhöht ein allgemeines Verständnis von Wissenschaft die Akzeptanz von Forschungsergebnissen? Dieser Frage ging eine repräsentative Umfrage unter US-Amerikanerinnen und -Amerikanern nach. Tatsächlich zeigt die Auswertung, dass auch Menschen mit sehr konservativen oder religiösen Einstellungen wissenschaftliche Erkenntnisse eher akzeptieren, wenn sie mehr darüber wissen, wie Wissenschaft funktioniert. Infolge schlagen die Studienleiter vor, der Vermittlung von generellem Wissen über Wissenschaft mehr Beachtung zu schenken.

Die Kommunikationswissenschaftlerin Lena Frischlich betonte im Interview: „Sich rauszuhalten ist …, zumindest wenn man relevant bleiben möchte, keine Option.“ Denn der Diskurs im Internet habe sich über die Jahre stark verändert und das hätte neben positiven auch negative Folgen. So gebe es inzwischen einen nie dagewesenen Austausch und Vernetzungen, aber auch hasserfüllte Diskurse und eine Verbreitung von Falschinformationen.

Über die Zukunft der Wissenschaftskommunikation wird seit September 2020 in den sechs Arbeitsgruppen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten #FactoryWisskomm gesprochen. Ein Zwischenstand der Arbeitsprozesse, die in der Denkwerkstatt einzelner der Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Kommunikation behandelt werden, sind per Video eingefangen.

Für mehr Diversität in der Wissenschaftskommunikation

Dass auch Alter und Geschlecht eine Rolle bei der Wissenschaftskommunikation spielen, zeigte die Studie der Kommunikationswissenschaftlerin Anne Reif. Im Interview berichtete sie, dass stereotype Eigenschaften wie das Alter eine Wirkung auf die wahrgenommene Expertise von Forschenden in unterschiedlichen Bewegtbildformaten haben kann. Einem höheren Alter wurde demnach eher Expertise zugesprochen. Auch das Geschlecht hatte in dieser Untersuchung eine Auswirkung auf die wahrgenommene Expertise. So wurden Wissenschaftlerinnen als kompetenter eingestuft.

Für eine diversere Wikipedia setzt sich die Physikerin Jess Wade ein. Sie will Frauen in MINT-Fächern sichtbarer machen und schreibt daher seit drei Jahren jeden Tag einen neuen Wikipedia Artikel über eine Forscherin – 1.200 Artikel sind bislang erschienen.

Einblicke in Wisskomm-Ansätze 

Ein Thema – zwei unterschiedliche Blickwinkel. Das ist die Idee hinter der Podcast-Reihe “Treffen sich Welten”, welche von der Klaus Tschira Stiftung 2020 gestartet und in einem Gastbeitrag vorgestellt wurde. Hier werden je nach Gesprächsteam unterschiedliche Themen wie etwa Wahrheit, Sprachgewalt oder Klima von zwei Protagonisten diskutiert, die unterschiedliche Erfahrungen oder Sichtweisen mitbringen.

Eine Verbindung von geowissenschaftlichen Inhalten mit Musik schafft der Geologe und begeisterter Musikliebhaber Achim Reisdorf. Im Interview berichtete er, wie er aus steinernen und mineralischen Instrumenten und Materialien eine Klangdatenbank erschuf, aus der Musikproduktionen entstanden. Diese werden als kleines Extra auf spezielle Vinyl-Schallplatten gepresst, die Fossilien auf dem Cover zeigen.

Dass auch mit Comic Wissenschaft vermittelt werden kann, zeigt der Werdegang von Veronika Mischitz. In ihrem Profil erzählt die Biologin und Comiczeichnerin, dass die Wisskomm sich für sie immer lohnt, wenn sich eine gute Geschichte und Wissensgewinn kombinieren lassen.

Kommunikationstipps aus der Praxis

Einblicke aus der Praxis gab Medientrainer und Autor Volker Hahn im Interview. Er sprach über souveräne Wissenschaftskommunikation und geht auch auf die Fragen ein, welche Chancen und Risiken es bei öffentlichen Auftritten gibt oder wie man den eigenen Auftritt verbessern kann.

 

Foto: © JrKorpa

Wissenschaftskommunikation.de ist ein gemeinsames Portal von Wissenschaft im Dialog (WiD), dem Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation(NaWiK) und dem Teilinstitut Wissenschaftskommunikation am Institut für Technikzukünfte des Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Diese News aus der #Wisskomm hat Annika Wormer, FSJlerin am NaWik, für Sie zusammengestellt.